KUNDALINI-YOGA
Madhav P. Pandit : CHAKRA BHEDA – –
mit ausführlicher Erläuterung der Chakras
Oder das Durchdringen der Zentren. Von Zentrum zu Zentrum fortschreitend verschlingt die Shakti die in ihnen verkörperten tattvas. Jedes tattva geht im nächstsubtileren Tattva (das seine unmittelbare Ursache ist) auf und alle verschmelzen im cit-atma. Während die Kundalini, vereinigt mit dem subtilen jivatma, jeden dieser Lotosse durchdringt, absorbiert sie die in diesen Zentren vorherrschenden tattvas und alles, was in ihnen enthalten ist. Nachdem der Aufstieg durchgeführt wurde, tritt jeder der groberen tattvas in den LAYA-Zustand ein, und wird durch die Energie der Kundalini ersetzt.
Nach dem Eintritt in vishuddhi chakra ersetzt die Kundalini sie alle. Die Sinne, die mit diesen groberen tattvas zusammenarbeiten, verschelzen in ihr, die danach die subtilen tattvas des ajna absorbiert. Die Kundalini selbst ändert beim Aufsteigen in die drei Ebenen ihren Aspekt und nimmt bei der Vereinigung mit jedem der lingas die der jeweiligen Vereinigung entsprechende form an. Während sie im muladhara die Shakti aller in ihrem grobstofflichen oder körperlich manifestierten Zustand (virat) ist, ist sie im ajna die shakti de subtilen oder psychischen Körpers (hiranyagarbha) und im sahashrara die shakti der spirituellen Ebene (ishvara), die, obgleich sie in ihrem shiva Aspekt undifferneziert ist, in ihrem Machtaspekt alle niederen Ebenen in einem verborgenen potentiellen Zustand erhält.
Die Aufwärtsbewegung verläuft vom grobstofflichen zum subitleren, und die Reihenfolge der Auflösung der tattvas verläuft wie folgt:
prithivi mit dem indriya (Geruchsinn und Füsse), bei dem letztere prithivi (die Erde als Grundfläche) als Unterstützung haben, löst sich im ghanda-tattva oder tanmatra des Geruchssinnes auf, welch sich im muladhara befindet; das gandha-tattva wird vom svadhistana aufgenommen, und dieses, ap, und seine zugehörigen indriyas (Geschmack und Hände) lösen sich im rasa (Geschmack-) tanmatra; letzteres geht in das manipura über und hier werden das rasa-tattva, tejas und die zugehörigen indriyas (Sehen und Anus) im rupa (Sicht-) tanmatra aufgelöst. Danach geht letzteres ins anahata über, und dieses, vayu und die indriyas (Tastsinn und Penis/Sexualorgane) lösen sich im sparsa (Tast-) tanmatra auf. Letzteres geht in vishuddhi über, und dieses akasha und die indriyas (Hören und Mund) finden in shabda (Klang-) tanmatra ihre Auflösung; jetzt geht letzteres in ajna über und hier und darüber hinaus löst sich manas in mahat, mahat in sukshma-pakriti auf, und letzteres wird im shashrara mit dem para bindu vereint.
Der letzte Verschmelzungsprozess teilt sich in verschiedene Grade: nada in nadanta, nadanta in vyapika, vyapika in samani, samani in unmani und der letztere in vishnuktra oder pumbindu, der auch paramashiva ist. Haben sich alle Buchstaben derart aufgelöst, so sind die chakras ebenfalls aufgelöst, da die Lotosblütenblätter die Buchstaben tragen.
„Bei diesem Aufsteigen werden Bhrahma, Savitri, Dakini, die Devas, Makrikas und Vrittis des muladhara von der kundal aufgenommen, ebenso das mahimandala oder prithivi, und das prithivi-Bija >lam< in das es übergeht. Denn diese bijas, oder Klangkräfte drücken den subtilen Mantraaspekt dessen aus, was in ihnen aufgelöst wurde. So entspringt und wird aufgelöst >Erde< in ihrem Keim (bija), der der besondre Aspekt des schöpferischen Bewusstseins ist, welches sie hervorgebracht hat.
Das gesprochene mantra (vaikhari shabda) oder >lam< ist der Ausdruck, den es im groben Klang findet.
Verlässt Devi das muladhara, so schliesst der Lotos seine Blütenblätter wieder und lässt sie nach unten hängen; zuvor hatte er sie durch die Erweckung der Kundalini und die belebende Itensität des pranischen Stoffes geöffnet und nach oben gekehrt. Wenn die Kundalini das svadhistana erreicht, so öffnet sich dieser Lotos und richtet seine Blütenblätter aufwärts. Bei ihrem Eintritt lösen sich Vishnu, Lakshmi, Sarasvati, Rakini, Matrikas und Vritti, Vaikunthadhama, Goloka und die hier herrschende Deva und Devi im Körper der Kundalini auf. Prithivi oder das Erd-Bija >lam< löst sich im Wasser, in sein Bija >vam< verwandelt, bleibt im Körper der Kundalini. Erreicht die Devi das Manipura Chakra oder Bhrahmagranthi, so verschmilzt der Inhalt dieses Chakras in ihr. Das Varuna-Bija >vam< löst sich im Feuer aufund bleibt in ihrem Körper als das Bija >ram<. Als nächstes erreicht die Shakti das anahata-chakra, auch als Knoten-Vishnus bekannt (vishnugranthi), wo ebenfalls alles sich darin Befindliche in ihr verschmilzt. Das Feuer Bija >ram< wird sublimiert, und die in ihr Bija >yam< verwandelte Luft wird von der Kundalini absorbiert. Dann steigt sie auf zu dem Sitz Bharatis oder Sarasvatis, dem Vishuddi Chakra. Bei ihrem Eintritt lösen sich ardha-narishvara Shiva, Shakini, die sechzehn Vokale, Mantra. usw. in ihr auf. Das Luft-Bija >yam< verwandelt sich in Äther, der bei der Verwandlung in das bija >ham< im Körper der Kundalini aufgeht. Hat die Devi das verborgene Lalana Chakra durchstossen, so erreicht sie das ajna, auch „Knoten des Rudra“ (rudra-granthi) genannt; hier lösen sich paramashiva, Siddha-Kali, die Devas und alles andere darin enthaltene in ihr auf. Schließlich verwandelt sich das vyoma-bija (Äther) oder >ham< in die subtilen tattvas des ajna und dann in die Devi. Nach Durchtritt durch den Rudra-granthi findet sich die kundalini mit dem paramshiva vereint. (Achtung: Hier kann es sein, dass man sehr lang, sehr gut, und sehr tief schläft,- und „feinstofflich/sukshma“,- Bei ihrem Aufwärtsteigen vom zweiblättrigen Lotos verschmelzen Niralambapuri, Pranava, Nada usw. in der Devi. Sie hat somit bei ihrem Aufsteigen die dreiundzwanzig tattvas, beginnen mit den grobstofflichen Elementen, absorbiert, und vereint sich dann als Shakti, asl Bewusstsein, mit Paramashiva, der seiner Natur nach eins mit hier ist.
Bei der Vereinigung fliesst Nektar (amrta) in ambrosischen Strom vom Bhramarandhra zum Muladhara; er überflutet das ksurda bhramanda, oder den Mikrokosmos und stellt die Devatas seiner Chakra zufrieden. Jetzt vergisst der sadhaka/sadhika die Außenwelt und ist von unausprechlicher Seligkeit erfüllt
JEDER Besuch am Brunnen des Lebens schenkt Erfrischung, erhöht Kraft und Seligkeit.
Nachdem die Kundalini die vierzehn „Knoten“ (granthis) – nämlich drei lingas, sechs chakras und die fünf darin entahltenen shivas durchstossen hat, und nun trunken vom Nektar aus dem para-shiva ist, kehrt sie den vorhergenommen Weg ins muladhara zurück. Dabei ergiesst sie all das in die chakras zurück, was sie zuvor aus ihnen absorbiert hatte. Mit anderen Worten, während sie bei ihrem Weg nach oben alles in den charas Enthaltene in den LAYA Zustand (Auflösung) versetzt hat, ist ihre Rückkehr sristikrama, da sie alles wieder schafft. Auf diese Weise erreicht sie das muladhara, und alles das, was vorher aus den chakras in ihr verschmolzen war, wird in den chakras wieder in die Lage versetzt, in der es vor Ihrer Erweckung gewesen ist. Der absteigende jivatman formt für sich also wieder die Idee der vielgestaltigen Welt mit ihren getrennten Einzelwesen, die von ihm ging, als er aufstieg und sich mit dem Urgrund (mahat) vereinigte
Kurz gesagt ist die Rückkehr der Kundalini die Rückkehr des jivatman in die grobstoffliche Welt, nach dem er sich von ihr in einem ekstatischen Zustand, dem samadhi, entfernt hatte.
Der YOGI, die YOGINI, kennt nun (da es/sie es erlebt hat) die wahre Natur und den Zustand des Geistes und den Weg aus und in Maya, die grobstoffliche Welt.
In diesem YOGA vollzieht sich ein gradueller RÜCKFÜHRUNGSPROZESS der grobstofflichen Welt mit ihren Elementen in deren URGRUND Jedes grobstoffliche Element (mahabhuta) wird zusammen mit dem feinstofflichen Element (tantmatra), aus dem es hervorgeht, und dem zugehörigen Sinnesorgan (indriya) in das nächsthöhere verwandelt, bis das letzte Element Ähter mit dem tanmatra Klang und manas im Ichbewusstsein (ahamkara) aufgelöst sind, von dem sie vikrittis sind. Amhamkar verschmilzt in Mahat (Urgrund), der ersten Manifestation schöpferischer Ideenbildung und letzterer in Bindu, welcher das höchste Wesen, Bewusstsein und Seligkeit als schöpferischer BRAHMAN ist. Die erweckte Kundalini macht sich als grosses Hitzegefühl bemerkbar (War bei mir nicht, bzw. nicht in diesem Prozess), Beim Aufsteigen der Kundalini werden die unteren Glieder so unbeweglich und kalt wie ein Leichnam, und so geht es mit jedem Teil des Körpers, durch den sie hindurchging und den sie verlassen hat Das rührt daher, dass sie als die Kraft, die den Körper als organisches Ganzes zusammenhält, ihr Zentrum verlässt. Im Gegensatz dazu wird der obere Teil des Kopfes „strahlend“ Wobei kein äußerer Glanz gemeint ist (prabha), sondern innere Helligkeit, Wärme und Lebendigkeit. Ist der YOGA vollendet, so sitzt der Yogi, die Yogini, starr in der gewählten Stellung (Hier ist savasana mit dünnen Polster unter dem Haupt, bzw. siddhasana zu empfehlen und die einzig fühlbahre warme Stelle im ganzen Körper befindet sich am Scheitel wo die Shakti mit Shiva vereint ist.
Die Kundalini hält sich jedoch nicht lange im Sahasrara auf. Sie hat stets die natürliche Tendenz, in ihre ursprüngliche Lage zurückzukehren. Der Yogi, die Yogini, muss den Vorgang des Auf- und Absteigens immer wieder vornehmen, muss sich intensiv bemühen, sie immer länger oben zu halten, bis die Shakti für immer mit dem Herrn vereint bleibt, und nur zurückkehrt, wenn der Yogi, die Yogini es so will; dieser Zustand ist erreicht, wenn die Vereinigung vollkommen ist und die Befreiung, mukti, ihre höchste Stufe erreicht hat. Der Yogi, die Yogini, ist nun ein jiva-mukta (ein von immer vom Kreislauf der Wiedergeburten Befreiter).
Hierbei ist zu bemerken, dass bei diesem YOGA nicht allein die mit dem Willen zur Befreiung verbundenen Geisteskräfte eingesetzt werden, wie im Jnana und den verwandten Yogas, wo mukti durch Loslösung von der Welt, geistige Übungen wie Konzentration (dharana), Meditation (dhyana) usw.usw. erstrebt wird – wobei die Hauptbetonung auf den Fähigkeiten des geistigen Wesens, der jnana-shakti, des Suchers liegt. Hier ist die den samadhi bewirkende Kraft die KUNDALINI-SHAKTI, DIE MUTTER ALLER SHAKTIS, die bei ihrer Erweckung jnana (die höchste Erkenntnis) in VOLLEM UMFANG dem INDIVIDUUM MITTEILT.
Weiterhin wirkt hier eine fundamentale Kraft, die den Körper, das Leben und den Geist regiert, und deren Ziel es nicht allein ist, JIVA mit SHIVA zu vereinen, das im individuellen gebundene Bewusstsein in das unbegrenzte Höchste Bewusstsein (mukti) zu befreien, sondern gleichermaßen bedeutet es, das ganze Wesen, den Körper, den Geist und die Lebensenergien mit dem Nektar zu durchdringen, mit der Ekstase, die eine derartige Vereinigung (bhukti) mit sich bringt.
Siddhi (der Zustand der Vollkommenheit) ist natürlicherweise vollständiger, da nicht nur der Geist, sondern alle übrigen Bereiche des Menschen teil an der Seligkeit haben. Diese Ekstase wird auf verschiedene Weise an den verschiedenen Zentren mit charakteristischen siddhis, den übernatürlichen Kräften, während des Aufsteigens erlebt , bis der höchste Punkt, das Sahasrara erreicht ist, wo reine Seligkeit herrscht – kevalaanandarupam.
Zus. Fass. v. Madhav P. Pandit nach Sir John Woodroffe d. „Schlangenkraft“
DREI-EICHEN-VERLAG, 8000 München 60, CH-6390 ENGELBERG/SCHWEIZ
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